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Dr. Dr. med. Matthias Sießegger

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PERSONAL-EINSATZ-PLANUNG

Die optimale Größe eines Pflegdienstes - im Zusammenhang mit der Personal-Einsatz-Planung
von Thomas Sießegger

 

Zwei Größen können im Zusammenhang mit der Frage nach der optimalen Betriebsgröße genannt werden:

  • 150-200 ständig versorgte Patienten

  • mindestens 1 Mio. Euro Umsatz pro Jahr, besser 1,5 Mio Euro

Diese beiden Werte sind aus Untersuchungen bekannt und bestätigen sich tendenziell in Betriebsvergleichen und in Beratungen vor Ort.

Stationen mit Werten darunter haben tendenziell etwas größere Schwierigkeiten, am Markt bestehen zu können, sie neigen zu Inflexibilität.

Größere Pflegedienste sind aufgrund ihrer Größe nach menschlichem Ermessen nicht mehr ohne weiteres zu steuern. Diese Aussage unterstellt jedoch wichtige Annahmen:

  • Die Pflegedienstleitung führt grundsätzlich (ohne Ausnahme) alle Erstbesuche selbst durch,

  • Sie kennt alle ihre Patienten persönlich, da sie auch regelmäßig "wiederholte Erstbesuche" (Pflegevisiten) selbst durchführt.

Auf dieser Basis ist gewährleistet, dass alle Patienten einheitlich und möglichst objektiv bewertet werden hinsichtlich ihrer zeitlichen Ansprüche.

Zudem funktioniert die eigentliche Steuerung besser, wenn die Vorgaben "aus einer Hand" kommen.

Werden diese optimalen Voraussetzungen akzeptiert, dann ist es verständlich, dass ein vollzeitbeschäftigte Pflegedienstleitung ihre Kapazitätsgrenzen hat - und diese dürften bei ca. 120 Patienten sein.

Hat ein Pflegedienst nicht die optimale Größe, heißt das aber nicht, dass er dem Untergang gewidmet ist. Mit der optimalen Größe ist es nur etwas wahrscheinlicher, dass man zu guten Ergebnissen kommt.

Allerdings zeigt sich dann umso mehr, dass man von einer Top-Pflegedienstleitung abhängig sein wird.

Es ist schon jetzt eine Konzentrationswelle von ambulanten Pflegediensten in Deutschland zu beobachten, die sich unseres Erachtens auch noch weiter fortsetzen wird. Insbesondere mögliche Einsparungen im Bereich der Overhead-Kosten sind die Gründe dafür.

Mögliche Strategien der Pflegedienste zur Erreichung einer optimalen Größe

  • Zusammenschlüsse von kleineren ambulanten Pflegediensten zu einer angemessen Größe

  • Expansion in der Anzahl der Patienten - auch durch die Nutzung von Verdrängungswettbewerb

  • Spezialisierung auf bestimmte Klientel oder Nischen als Alternative zu einer optimalen Größe.

Alternativen zur optimalen Größe: Spezialisierung, Nischen

Eine qualitative Weiterentwicklung der Dienste und eine Ausdifferenzierung des Leistungsangebots hat in den letzten Jahren nicht stattgefunden – im Gegenteil: Ein vorwiegend homogenes Leistungsangebot in Stadt und Land.

Bedarfe wurden kaum richtig ermittelt. An den wenigen Beispielen von Pflegediensten, die sich spezialisiert haben und dabei großen Erfolg haben, zeigt sich, dass es möglich ist, außerhalb der allgemeinen Leistungen der Krankenversicherung und der Pflegeversicherung Leistungsangebote zu entwickeln. Diese sind dann finanziert über
a) Sondervereinbarungen mit Krankenkassen
b) über zielgerichtete Zuschüsse
c) oder in immer höherem Maß über den freien Markt, nämlich über Privatzahler

 

Möglichkeiten für Nischen oder Spezialangebote (ohne den Anspruch auf Vollständigkeit):

  • anspruchsvolle Leistungen bei schwer kranken Menschen und intensiv-pflegebedürftigen Menschen 
    - zeitintensive Pflege

  • Kinderkrankenpflege für eine ganze Region oder eine Großstadt

  • Beatmungs-Patienten

  • psychiatrisch veränderte Patienten

  • Schicht-spezifische Angebote in bestimmten Stadtteilen für die oberen oder unteren Zehntausend

  • niederschwellige Leistungen als Einstieg in die Pflege

  • spezielle Ausbildungen oder Spezialisierung der Mitarbeiter

 

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